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N 9 / 1997 (Ukr.)
OSTERREICH NACH OSTERREICH Ï archiv

 

Larissa Cybenko

LITERARISCHE LANDSCHAFTSWAHRNEHMUNG VON OSTGALIZIEN BEI JOSEPH ROTH

"Mein Blick schweift immer wieder... in die melancholische, ebene Welt ohne Grenzen, in die sanfte Trauer der Erde, in welche die Schlachtfelder hineingewachsen sind..." (II., S. 282) [1]. Galizien von Joseph Roth. Der Raum, der als Objekt der Inspiration und der künstlerischen Darstellung eine große Anziehungskraft ausübt, der zur literarischen Landschaft wird.

David Bronsen schrieb in der Joseph Roths Biographie über die Bedeutung Galiziens für Roths Werdegang zum Schriftsteller, daß Roth Galizien, das im Laufe dieses Jahrhunderts von so vielen Konvulsionen erschüttert wurde, die weltanschauliche Ausrichtung, die Prädisposition mancher Charakteranlagen und die sprachliche Orientierung verdanke. [2] Die Mischkultur und das Vielvölkermilieu seiner Geburtsstadt Brody im ukrainischen Galizien, diesem entferntesten Winkel der Habsburger Monarchie, der infolge seiner Völkermischung einem winzigen Modell des Reiches gleich war, haben nicht nur die sprachliche Vielfalt und die Breite des Wahrnehmungshorizontes des Schriftstellers geformt, sondern ihn auch zum "Dichter deutscher Sprache" [3] klassischer österreichischer Prägung gemacht. Wenn man über Joseph Roth spricht, nennt man Galizien, so wie auch das Habsburger Reich selbst, seine "verlorene Heimat". Es wurde aber zu seiner echten "literarischen Heimat" [4], ohne die man sich diesen "Schriftsteller aus der galizischen Bezirkhauptstadt Brody" [5] so, wie wir ihn aus seinem Werk kennen, nicht vorstellen könnte.

Die gegenwärtigen politischen Veränderungen in Osteuropa ermöglichen einen neuen Zugang zu Joseph Roth und seinem Schaffen, Wiederentdeckung der Welt des großen galizischen Schriftstellers, ihre Rückehr aus den "Schatten der Grenzen" in den Raum unserer Erfahrung.

Das Problem der Heimat bzw. Heimatlosigkeit bei Roth ist viel diskutiert worden. Dieses Problem ist immer, wenn ein Mensch ausreisen und seine Vertraute Umgebung verlassen muß, sehr aktuell. Besonders aber, wenn es sich um einen echten Künstler handelt. Der große russische Schriftsteller des XX. Jahrhunderts Wladimir Nabokow, dessen Leben in der Emigration verlief, schrieb darüber:

"Vielleicht sollte man auf einen Schlag für immer mit jeder Art der Sehnsucht nach der Heimat Schluß machen, außer der Heimat, die mich begleitet, die in mir drinnen ist, wie Silber des Meeressandes am Leder der Sohlen klebt, in den Augen, im Blut lebt, dem Hintergrund jeder Hoffnung des Lebens Weite und Tiefe gibt? Irgendwann, wenn ich vom Schreibtisch zum Fenster schaue, werde ich dort den russischen Herbst sehen!" [6]

Das ganze Werk Roths zeugt von Heimatlosigkeit und Fremdheitserfahrung. Er wählt seine eigene imaginäre Heimat. Man fühlt sich in der Fremde heimisch, man trauert der Heimat, die man verloren hat, nicht nach. Man ist eigentlich nur mit dieser imaginären Heimat, dem Land der Kindheit vielleicht, das nur im Geiste existiert, aufs engste verbunden. Einerseits ist das Schaffen Roths, dem assimilierten Juden, von der Tradition ahasverischer Heimatlosigkeit durchzogen [7] - überall fühlt man sich fremd, wie die kleine Gruppe der Juden bei der Begrüßung des Neumondes am Rande eines galizischen Städtchens in "Hiob", die wie Antipoden zu dem Wald, "der schwarz und schweigsam war wie sie, aber ewig in seinem verwurzelten Bestand..." erscheinen: "Fremd war ihnen die Erde, auf der sie standen, feindlich der Wald, der ihnen entgegenstarrte, gehässig das Kläffen der Hunde, deren mißtrauisches Gehör sie geweckt hatten, und vertraut nur der Mond, der heute in dieser Welt geboren wurde wie im Lande der Väter, und der Herr, der überall wachte, daheim und in der Verbannung."(V, S.44-45) Die regellose, unstete und suchende Menschengruppe und die regungslose Waldfläche im Hintergrund, darüber der Mond, der alles in seinem Schein vereinigt - dieses Landschaftsbild könnte als symbolische Illustration zur Sage vom Ewigen Juden dienen.

Andererseits ist das Gefühl der "Fremde als Heimat" eines der prägnantesten für den Geisteszustand der Moderne. "Überall fremd und überall heimisch zu sein, das zählt zu den Grunderfahrungen unserer Epoche. Ströme freiwilliger und unfreiwilliger Wanderer hat dieses Jahrhundert erlebt." [8] Roth hat Galizien freiwillig verlassen. Schon in den Gymnasialjahren war er von seiner literarischen Zukunft überzeugt - bewußt wollte er dem "Krähwinkel der Monarchie" entfliehen, ihn zogen die Metropolen der westlichen Zivilisation - Wien, Berlin, Paris an (die Möglichkeit, sich frei bewegen zu können, hat ihm sicher der österreichische Paß verschaff). Ohne Westeuropa würde Roth als eigentümlicher Schriftsteller nicht weniger als ohne Galizien zu denken sein. Die Ungebundenheit hat ihm Freiheit gegeben. Im Laufe der ganzen Schaffenszeit erscheinen bei ihm, in vielen Nuancen zwar - von der Melancholie über die Ironie zur Schwermut - die Gestalten der heimatlosen Weltabenteurer: von der frühen Erzählung "April" über "Radezkymarsch" und "Hiob" bis "Tarabas". Die innere Zwiespältigkeit zwischen der Geborgenheit und dem Freiheitsgefühl sowie die Verschmelzung der östlichen Erinnerungen und der westlichen Erfahrungen bilden den Grund, auf dem sich das Phänomen des Schaffens von Roth entwickelte.

Wenn man von Joseph Roth und Galizien im literarischen Sinne spricht, sollte man den biographischen Aspekt weniger heranziehen als den Zusammenhang zwischen der realen Landschaft und ihrer Beschreibung. Galizien besteht in diesem Fall aus Stimmungen, Bildern, Situationen, die das Gefühl ansprechen wollen. Es ist eine in der Welt des Schriftstellers verankerte ästhetische Konstruktion, die von den Voraussetzungen des Subjekts abhängt. "Sein Galizien" sieht Roth durch den Schleier der Vergangenheit, als Ort, wo er seine Kindheit und Jugend verbrachte, diese sorglose Zeit, in der man besonders sensibel und feinfühlig ist. Galizien, dem Mutterleibe gleich, verbirgt die immer angestrebte Geborgenheit. Der Schriftsteller schafft in seiner Phantasie ein imaginäres Bild der Heimat, das im Grunde in jedem seiner Werke präsent ist. Sein Galizien ist realer als dieses Stück Land, weil für Roth gerade in der Sprache die echte Wirklichkeit existiert: "Ich habe keine Heimat, wenn ich von der Tatsache absehe, daß ich in mir selbst zu Hause bin und mich bei mir heimisch fühle..." [9] und, weiter: "Einzig bedeutend ist die Welt, die ich aus meinem sprachlichen Material gestalte (ebenso wie ein Maler mit Farben malt)" (III. S.131). So erhält die Realität in seiner Dichtung märchenhafte, mythische Züge. Sein eigenes Leben hat Roth oft wie einen Roman betrachtet, darum ist seine Wahrnehmung durch die Dimension der Erinnerung und der Phantasie von innen her gesteuert. Roth schafft in seinem Innenraum dank der Einbildungskraft den Außenraum, was, schließlich für ihn dem Lebensraum gleich ist.

Um diesen Schriftsteller verstehen zu können, muß man in die Welt seiner Erfahrungen und in die seiner Masken folgen (so bei Nürnberger) [10]. Das Bild von Galizien bei Roth bleibt eine bestimmte Suggestion, der Leser sieht es mit den Augen des Autors. Vorstellung ist hier ein Resultat der Synthese, die im Kopf des mit dem Werk gut vertrauten Lesers vollzogen wird. Den ästhetischen Grund solcher Wahrnehmung hat philosophisch Georg Simmel in seiner Analyse der Betrachtung des Stadtbildes (in seinem Fall das von Rom) begründet. Simmel reflektiert die Bedingungen einer solchen Wahrnehmung: "Die Einheit, zu der die Elemente... sich verbinden, liegt nicht in ihnen, sondern in dem anschauenden Geiste. Denn offenbar nur in einer bestimmten Kultur, unter bestimmten Vorbedingungen von Stimmung und Bildung kommt sie zustande... Nur die lebhafteste, wenn auch unbewußte, Aktion des Geistes vermag die so unendlich differenten Elemente in die Einheit zu bannen, die in diesen selbst allerdings als Möglichkeit, doch nicht als Wirklichkeit liegt." [11]

Das echte Bild von Roths Galizien kann man sich nur bei der Kenntnis der subjektiven inneren Welt seiner Texte verschaffen. Die zwei bedeutendsten Werke von Roth, die ihm den Ruhm des großen Romanciers brachten, sind "Hiob" und "Radetzkymarsch". Sie zeigen gleich zwei Kulturwelten, die sein Schaffen beeinflußt haben: zum ersten das "Schtetl" als Synonym des Kleinstadtlebens der osteuropäischen Juden. Die Geschichte Hiobs - Mendel Singer schildert die Lebensweise der Schtetl-Bewohner an der österreich-russischen Grenze so, wie sie zu Roths Zeit war. Man muß nur an die Sabbatszene in der Einleitung des Romans denken, die die alten Riten sittengetreu widergibt:

"Sobald die erste Dämmerung an das Fenster hauchte, zündete Deborah die Kerzen an, in Leuchtern aus Alpaka, schlug die Hände vors Angesicht und betete... Wärme erhob sich im Zimmer. Sie schwärmte aus den Töpfen, den Schüsseln, den Leibern. Die billigen Kerzen in den Leuchtern aus Alpaka hielten es nicht aus, sie begannen sich zu biegen. Auf das ziegelrote, blaukarierte Tischtuch tropfte Stearin und verkrustete im Nu. Man stieß das Fenster auf, die Kerzen ermannten sich und brannten friedlich ihrem Ende zu."(V., S.4-5).

Dabei findet man eine feine Übereinstimmung mit den Bildern des Sabbatvorabends aus modernen Untersuchungen über die untergegangene Welt der osteuropäischen Juden:

"Die Frau des Hauses zündet die Kerzen an, während sie dabei betet... Ihr Gebet ist für irdische Ohren fast unhörbar. Männer sprechen ihre Gebete laut, aber Frauen bewegen meistens nur ihre Lippen und murmeln die Worte ganz leise. Nachdem sie die Kerzen angezündet hat, bewegt sie ihre Arme darüber in einer Geste der Umarmung, womit sie die Heiligkeit, die den Flammen entsteigt, an sich zieht. Sie tut das aber nicht für sich selbst, sondern für das ganze Haus, das sie vertritt." [12]

Auf der anderen Seite, ähnlich wie bei dem anderen bekannten Ostjuden, dem Maler Marc Chagall, wird das Schtetlbild bei Roth mythologisiert. Er wollte kein realistisches Abbild der Welt schaffen. Sein Interesse gilt vielmehr dem poetischen und irrationalen Bereich der Phantasie, seiner persönlichen Vorstellung von der galizischen Welt. Der Protagonist des Romans bezeichnet sich auch in New York als "ein russischer Jude" (hier ist Wolyn` gemeint). Im Leiden verläßt ihn der Glaube, aber das vom Rabbi weisgesagte Wunder erfüllt sich dennoch. Im "nüchternen" Westen hat man den künstlich erscheinenden Schluß des Romans kritisiert, doch das leidenschaftliche Erhoffen des Wunders im eigenen Geschick erscheint im Zusammenhang mit der Mentalität des in der Welt der jüdischen Orthodoxie und des Chassidismus aufgewachsenen Dichters ganz logisch.

Zum zweiten,- was sich besonders gut im "Radetzkymarsch"zeigt, versteht man unter dem Begriff der literarischen Heimat von Roth die slawische Welt der Habsburger Monarchie. Der ukrainische Teil von Galizien bildet einen nicht zufälligen Hintergrund. Die Handlung spielt oft in der typisch slawischen Umgebung, die Roth aus seiner Jugendzeit gut vertraut war: sogar die beiden Haupthandlungsorte in "Radetzkymarsch" - Sipolje und "um jene Zeit eine der merkwürdigsten Gebiete"(V., S. 256) im Nordosten der Monarchie - das galizische Grenzgebiet werden einander wie Spiegelbilder gegenübergestellt: "Dieses Land war die verwandte Heimat der ukrainischen Bauern, ihrer wehmütigen Ziehharmonikas und ihrer unvergeßlichen Lieder: es war die nördliche Schwester Sloweniens."(V., S. 256). Das ukrainische Galizien wird auch zur Seele vieler anderer seiner Werke. Immer, wenn Roth die Menschen dieser Gegend, ihren melancholischen Charakter beschreibt und ihre sanften Lieder bewundert (ukrainische Bauern, der Bursche Onufrij im "Radetzkymarsch"; die bekannten Zeilen über die Mutter, die in seinen biographischen Phantasien die Charakterzüge einer ukrainischen Bäuerin annimmt), fühlt man eine große Sympathie für die Ukrainer. Das von der urainischen Sprache erfüllte Milieu beeiflußte auch den besonders melodischen, eigentümlichen Klang und die Schönheit der deutschen Sprache des Dichters, seine Syntax. (Unter den Lehrern des Gymnasiums, wo Roth maturierte, unterrichtete 1901-1907 neben dem bekannten Germanisten Max Landau der hervorragende Ukrainist, zukünftiger Akademiemitglied Wassyl Schtschurat).

Wenn man über die Umgebung die für Roths Entscheidung, sich literarisch auszudrücken, von großer Bedeutung war, spricht, so kann man Galizien selbst als Landschaft, die viele Dichter hervorgebracht hat und die in ihre Dichtung eingegangen ist, als eine utopische Dimension - eine "Literaturlandschaft" betrachten. In erster Linie "entdeckt" man die Landschaft als ästhetisch betrachtete Natur: "Landschaft ist Natur, die im Anblick für einen fühlenden und empfindenden Betrachter ästhetisch gegenwärtig ist" [13]. In unseren Untersuchungen heben wir die Trennung von Stadt und Land auf: die Stadt wird auch als Landschaft angesehen. Besonders wichtig ist, daß die Landschaft, die in diesem Fall dem ästhetischen Raum gleich ist, eigentlich nur vom subjektiven Standpunkt des Bertachters abhängt. Die Landschaft ist "nur im Auge des Betrachters Realität...". [14] Der ästhetische Raum von Galizien in unserem Fall wird vom Künstler durch die Bewahrung seiner subjektiven Haltung wahrgenommen. Diese gegenseitige Wirkung der objektiven Landschaft und der subjektiven Haltung des Schriftstellers schafft die bestimmte Dimension der Beschreibung.

Wenn man an das reale Galizien denkt , so ist dieses Land im Osten Europas mit seiner Mehrsprachigkeit längst verschwunden, aber es ist in den Worten ihrer Dichter geblieben als "Nichtort" der Sehnsucht, als Mythos und Ort der Kreativität vieler Menschen. Das Land, das "seine eigene Lust, eigene Lieder, eigene Menschen und einen eigenen Glanz" (II., S. 285) hatte, ist nicht verlorengegangen. Galizien, "jenes erwählte Land, diese merkwürdige Provinz, diese einmalige Stadt der Welt" - wie Bruno Schulz seine Heimat nannte [15], lebt in den Stimmen vieler bedeutenden Schriftsteller weiter. Die Stimmen sind mehrsprachig: ukrainisch, polnisch, jiddisch und deutsch. Alle aber haben etwas Gemeinsames - sie wurzeln in der Kultur dieses Landes. Manchmal klingen sie polyphonisch, dann hört man gemeinsame Töne bei Leopold von Sacher-Masoch und Iwan Franko, bei Bruno Schulz und Joseph Roth. Im Hintergrund befindet sich in jedem Fall die ästhetische Welt von Ostgalizien, die man als eine Synthese der österreichisch-ungarischen Kultur mit den klassischen polnischen und deutschen Zügen, von der traditionellen Kultur der osteuropäischen Juden erfüllt, im Umkreis der ukrainischen Folklore bezeichnen kann. Diese Mischung ist im schonungslosen Kessel des Zweiten Weltkrieges untergegangen, die Ästhetik von Galizien aber ist geblieben. Sie wird da sein, solange sich diese horizontlosen Weiten erstrecken, die dichten Wälder rauschen, die alten Häuser stehen. In Galizien ist viel aus diesem ästhetischen Raum gewachsen, vieles davon ist bis heute zu spüren.

Welchen Einfluß die Aufnahme der Landschaft auf die innere Welt des Künstlers hat, wie stark die sinnliche Wahrnehmung und das emotionelle Empfinden den geistig-seelischen Zustand beeinflussen, kann man beim Vergleich einiger konkreter Beispiele aus den Texten von Roth mit den entsprechenden Stellen bei Bruno Schulz sehen. Beide Schriftsteller wuchsen unter ganz unterschiedlichen Lebens-und Schaffensbedingungen, aber zur gleichen Zeit in Galizien auf. Hier wurden sie auch mental geformt. Obwohl Joseph Roths Werke klassische Züge der realistischen Literatur besitzen und Bruno Schulz zu den Autoren gehört, die ein "kafkaeskes" Sensorium beim Schaffen aufweisen, kann man dennoch, speziell bei der Widergabe der seelischen Zustände, eine große innere Verwandtschaft finden. Eine besondere Resonanz der gleichen Töne sind zum Beispiel die von der eigentümlichen "galizischen" Aura durchgedrungenen Schilderungen der Natur und die Jahreszeitenbilder. Den Begriff der Aura hat Walter Benjamin am Beispiel der Landschaft erläutert. Jeder Landschaft wird eine eigene Aura zuerkannt, die wir "als einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag" [16], definieren. "An einem Sommernachmittag ruhend einem Gebirgszug am Horizont oder einem Zweig folgen, der seinen Schatten auf den Ruhenden wirft - das heißt die Aura dieser Berge, dieses Zweiges atmen" [17] So findet man in dem unvollendeten Roman seiner Kindheit [18] "Erdbeeren", den Andrea Manga Bell als "schönsten Roman, den er nie geschrieben hat" [19], bezeichnet, ein nostalgisches "Galizien-Herbstbild":

"Der Herbst bestand bei uns aus flüssigem Gold und flüssigem Silber, aus Wind, Rabenschwärmen und leichten Frösten. Der Herbst war beinahe ebenso lang wie der Winter. Im August wurden die Blätter gelb, in den ersten Septembertagen lagen sie schon auf dem Boden. Niemand kehrte sie zusammen. Ich habe erst im Westen Europas gesehen, daß man den Herbst zusammenfegt zu den ordentlichen Misthaufen. An unseren klaren Herbsttagen wehte kein Wind. Die Sonne war noch sehr warm, schon sehr schräg und sehr gelb. Sie ging in einem roten Westen unter und erwachte jeden Morgen in einem Bett aus Nebel und Silber. Es dauerte lange, ehe der Himmel tiefblau wurde. Dann blieb er so den ganzen kurzen Tag."(IV., S. 1010).

Dem Widerhall gleich klingt die Herbstimpression bei Bruno Schulz in seiner Erzählung "Der andere Herbst":

"...Die warmen Winde aus Moldawien kamen, eine gewaltige gelbe Monotonie zog herauf, das süße unträchtige Wehen vom Süden. Der Herbst wollte kein Ende nehmen. Wie Seifenblasen stiegen die Tage auf, immer schöner und ätherischer werdend, und jeder schien so höchstens edelhaft zu sein, daß jede Weile der Verweigerung zum unerträglichen, fast wehtuenden Wunder wurde.

In der Stille dieser tiefen und schönen Tage veränderte sich unmerklich die Materie der Blätter, bis an einem Tage die Bäume im strohigen Feuer des ganz dematerialisierten Laubes dastanden, in der Schönheit, die leicht war, wie verblühte Spreublumen, wie ein Hauch der bunten Konfetti - prächtige Pfauen und Phönixe, die sich nur schütteln und mit den Flügeln flattern mußten, um diese herrlichen, leichter als Fließpapier linierten und nicht mehr nötigen Gefieder zu verlieren." [20]

Hier ist die Echtheit der von der Zivilisation noch nicht berührten, dem Menschen gegenüber harmonisch geöffneten Natur wiedergegeben. Beide Bilder sind von einer ähnlichen Melancholie und Reinheit der Stimmung, von gleicher Schönheit und gleichem Geheimnis erfüllt, die die Landschaftsbilder von Galizien begleiten und der "zivilisierten" Landschaft von Westeuropa als Symbol des Ursprünglichen gegenüberstehen.

Auch später, während seines Lebens in Berlin, wird Roth diesen Gegenpol der modernen technischen Zivilisation suchen. Auf dem Umland findet er aber nur "die Begriff-Natur": "Das ist die Unterstellung eines feststehenden eng umgrenzten, wohl beschriebenen Begriffs von der Natur als Malermodell. Die Unterstellung ist nicht so selten. Denn auch unser Verhältnis zur Natur ist ein unwahres geworden. Sie hat nämlich einen Zweck bekommen. Ihre Lebensaufgabe ist unser Amüsement. Sie besteht nicht mehr ihretwegen. Sie besteht eines Zweckes wegen. Sie hat im Sommer Wälder, in denen man schlummern kann, Seen zum Rudern, Wiesen zum Abgebranntwerden, Sonnenuntergänge zum Entzücken, Berge für die Touristik und Schönheiten für den Fremdenverkehr. Sie kam in den Baedeker." (I., S.566). Gerade im Berlin der zwanziger Jahre entwickelt sich bei Roth ein Konflikt mit der Technik. Besonders deutlich wird das in seinem Feuilleton "Bekenntnis zum Gleisdreieck" (1924). Auf der einen Seite sieht man in der Beschreibung des Berliner Gleisdreiecks eine Versöhnung mit den "machtvollen Dimensionen" (II., S.220) der zukünftigen Welt. Positive Motive in bezug auf Technik sind in den "organischen" Prädikaten ausgedrückt (Lebendigkeit, Wärme, Bewegung, Zeugungskraft) [21]. Andererseits ist dennoch ein für Roth typisches zwiespältiges Gefühl spürbar - "Trauer um die alten Formen, die vergehen - ", das er sogleich mit einem leichtem Zug der Ironie zu bekämpfen versucht: "- "ähnlich dem Schmerz eines Antidiluvialwesens um das Verschwinden der prähistorischen Verhältnisse" (II., S. 221). Man kann hier aber mit einigen Forscher nicht einverstanden sein, wenn gemeint wird, daß die Erfahrung des Gleisdreiecks für Joseph Roth "zur Chiffre für die Entfremdungserfahrungen der Einheimischen" [22] gegenüber den Fremdheitserfahrungen des russischen Exilanten Viktor Schklovskij wird. Der österreichische Schriftsteller fühlte sich in Berlin nie daheim. Deutschland war fremd für Roth (besonders deutlich ist das im Roman "Rechts und links"zu sehen), Berlin - eine unwirtliche Stadt, "ein Ort, in dem nichts heimisch werden kann" [23]. Für Sklovskij wurde das Gleisdreieck zum "eisernen Herzen der westlichen Kultur" [24], was eigentlich mit Roths Definitionen: der Landschaft, die "eine eiserne Maske bekommt" (II., S.221), und dem zwei Jahre späteren Feuilleton "Tote Welt" im Einklang steht. Der westlichen, naturfernen Zivilisation entsagt er, die Seele des Ost-Österreichers, die durch die Atmosphäre der Grenzstadt im Osten und dem Bild eines flachen, von der Kette der Hügeln abgeschirmten Landes geprägt wurde, aufbewahrend. Andrea Manga Bell schrieb, sie habe in Roth "ganz stark den östlichen Menschen ... gespürt. Die Leute des Ostens sind viel unmittelbarer, sie haben noch eine unbefangene und kindliche Herzlichkeit, die man sonst nur bei primitiven Menschen und Völkern findet. Solche Menschen können anstellen, was sie wollen, sie bleiben unschuldig und naiv." [25]

Man kann bei Roth verschiedene Arten von Landschaften unterscheiden, wobei sie nach W. Hellpach dem sinnlichen Gesamteindruck, "der von einem Abschnitt der Erdoberfläche samt dem darüber befindlichen Abschnitt des Himmels im Menschen erweckt wird," [26] entsprechen. Der erste Begriff enthält "Wiese, Wald, Halm und Aehre" (II., S.219) als Äquivalente der Natur. Es gibt bei ihm auch eine andere Landschaft - "aus Eisen und Stahl, deren Ende kein menschliches Auge sieht, die der graue Horizont umklammert" (II., S. 219) - das ist die Landschaft der Maschinen in der modernen Metropole. Doch außer diesen beiden wendet sich Roth ständig noch einer dritten zu - das ist die Landschaft seiner Kindheit und Jugend, die einer Naturlandschaft entspricht: die Dörfer an der österreichisch-russischen Grenze, die Wiesen und Wälder, weite, bis zum Horizont reichende Felder. Diese Bilder schildert er immer, wenn der innere Zustand der Menschen widergegeben werden soll, wo die literarische Verfahrensweise des XIX. Jahrhunderts, speziell des realistischen Romans, zu verfolgen ist. (In der galizischen Literatur findet man Paralelen bei L. von Sacher-Masoch, K. E. Franzos). So wächst die Unruhe in der Seele Mendel Singers ("Hiob") aus der Unruhe der nächtlichen Landschaft empor:

"Der junge Mondsichel verbreitete bereits einen starken silbernen Glanz, treu begleitet von dem hellsten Stern des Himmels glitt sie durch die Nacht. Manchmal heulten die Hunde und erschreckten Mendel. Sie zerrissen den Frieden der Erde und vergrößerten Mendel Singers Unruhe. Obwohl er kaum fünf Minuten von den Häusern des Städchens entfernt war, kam er sich unendlich weit von der bewohnten Welt der Juden vor, unsagbar einsam, von Gefahren bedroht und dennoch außerstande, zurückzugehen. Er wandte sich nach Norden: da atmete finster der Wald. Rechts dehnten sich viele Werst weit die Sümpfe mit den vereinzelten silbernen Weiden. Links lagen die Felder unter opalenen Schleiern." (V., S. 44).

Schemarjahs Wehmut beim Abschied mit der Heimat zeigt sich bei der Betrachtung der Grenzlandschaft:

"Es war eine stille Nacht. Die Schenke stand in ihr als einziges Haus in der Stille der Nacht, stumm, finster, mit abgedichteten Fenstern, hinter denen kein Leben zu ahnen war. Millionen Grillen umzirpten es unaufhörlich, der wispernde Chor der Nacht. Sonst störte sie keine Stimme. Flach war das Land, der gestirnte Horizont zog einen vollendet runden tiefblauen Kreis darum, der nur im Nordosten durch einen hellen Streifen unterbrochen war, wie ein blauer Ring von einem Stück eingefaßten Silber. Man roch die ferne Feuchtigkeit der Sümpfe, die sich im Westen ausbreiteten, und den langsamen Wind, der sie herübertrug." (V., S. 34).

Die Landschaft von Galizien, die bei Roth unbedingt die Weite des flachen Landes, den Horizont und Himmel einschließt, erhält die Züge des Unendlichen, eines vorgeschichtlich empfundenen Raumes, der sogar mytischen Charakter hat. Ein podolisches Dorf an einem Weihnachtsabend im Krieg wird zum Sinnbild des heiligen Geschehens:

"Das Dorf Jablonowka lag in meiner Erinnerung geborgen, ein Kleinod...Der Himmel schimmert über uns, vor uns schimmert der Schnee. Es ist, als spiegelte der Himmel den Schnee wider. Auf der ausgetretenen Dorfstraße hat es beinahe keinen Sinn herumzuwandern. Der Schnee war so verführerisch, daß es eine Sünde gewesen wäre, nicht in ihn hineinzustapfen, dort, wo er hoch und hart war, edel, jungfräulich, kristallen und singend... Die Jungen kamen mit ihren erleuchteten Kürbissen. Sie sangen. Nahe waren Stall und Krippe und Esel, wenn man die Lieder verstand. Sollte man ihnen glauben, so war der Heiland in Jablonowka geboren, nicht weit von der Hütte der Witwe Jozefowa Gargasch, und es war nicht zweitausend Jahre her, sondern höchstens knappe sechzig, und die Großväter erinnerten sich noch daran. Die Fußspuren der heiligen Drei Könige gar sah man noch gerade im Schnee. Der Stern war mit Händen zu greifen. Die Podolische Tiefebene war eingebettet im Glauben, und Gott war in Podolien, und Bethlehem knapp einen Sprung entfernt und näher als die Front." (Rast in Jablonowka. III., S. 946-950).

Eine besondere Bedeutung kriegt die Schilderung des nächtlichen Himmels, des Mondes und der Sterne in Galizien, die nur hier echt sind und Gottes Anwesenheit verraten. Und wiederum erscheint hier eine sehnsüchtige Gegenüberstellung der westlichen Zivilisation:

"Mendel Singer entzündete die Kerze in der grünen Flasche neben dem Bett und ging ans Fenster. Da sah er den rötlichen Widerschein der lebendigen amerikanischen Nacht, die sich irgendwo abspielte, und den regelmäßigen silbernen Schatten eines Scheinwerfers, der verzweifelt am nächtlichen Himmel Gott zu suchen schien. Ja, undein paar Sterne sah Mendel ebenfalls, ein Paar kümmerliche Sterne, zerhackte Sternbilder. Mendel erinnerte sich an die hellgestirnten Nächte daheim, die tiefe Bläue des weitgespannten Himmels, die sanftgewölbte Sichel des Mondes, das finstere Rauschen der Föhren im Wald, an die Stimmen der Grillen und Frösche. Es kam ihm vor, daß es leicht wäre, jetzt, so wie er ging und stand, das Haus zu verlassen und zu Fuß weiterzuwandern, die ganze Nacht, so lange, bis er wieder unter dem freien Himmel war und die Frösche wahrnahm und die Grillen und das Wimmern Menuchims." (V., S. 86-87).

Zur Naturlandschaft gehört bei Roth auch das Bild einer kleinen von Luft durchdrungenen Provinzstadt, der Stadt, wo er geboren und aufgewachsen war. Er nennt sie nie beim Namen, so, als ob er sich schämte, aus so einer tiefer Provinz zu stammen - es ist "eine kleine Stadt in Ostgalizien", die "Grenzstadt im Osten der Monarchie", die eine imaginäre Topographie zu haben scheint. Doch immer erkennt man in diesem Stadtbild Brody mit seiner geschichtlichen und landschaftlichen Atmosphäre. An dieses Stadtbild wendet sich Roth als an ein Schema, das er gut kennt und leicht variiert. Unverändert bleibt doch der Grundriß, die einstöckigen alten Häuser, die engen Gassen und die altehrwürdige Synagoge, die imposante Goldene Straße, der Bahnhof, das Hotel und der Park. Brody ist schon in den frühen Werken des Schriftstellers anwesend. So liest man in "April" (1925):

"Die silbernen Schattenrisse der Stadt strebten aus losem Nebel zart, kühn, fast singend gegen den Himmel. Fein und dünngelenkig kletterte ein gotisches Türmchen in die Wolken. Die dottergelbe Scheibe der erleuchteten Rathausuhr hing wie an einem unsichtbaren Seil in der Luft. Um den Bahnhof roch es süß und trocken nach Steinkohle, Jasmin und atmenden Wiesen... Die Stadt mußte klein sein. Sie besaß gewiß eine Kirche, ein Rathaus, einen Brunnen, einen Bürgermeister, eine Droschke."(IV., S. 331).

Auf den ersten Blick sieht man in dieser Stadt nichts Merkwürdiges, aber, wie Roth selbst gesteht, hatte die Stadt ihre eigene Atmosphäre: "die Farbe, den Duft, die Dichtigkeit, die Freundlichkeit der Luft", (II., S. 285), - die beim Schriftsteller die Fähigkeit entwickelte, das alles mit Worten ausdrücken zu können. Um die Jahrhundertwende besaß sie noch die Spuren des Reichtums und des Glanzes des vorigen Jahrhunderts. Die Geschichte dieser Ortschaft, als einer Grenzregion mit allen typischen Merkmalen war eine sehr spannende und ereignissreiche. Am Ende des XI. Jahrhunderts (1096) zum ersten Mal schriftlich erwähnt [27], hat sie ihren Namen ("brody" ist im Altrussischen und Ukrainischen die Pluralform von "Fuhrt") der günstigen Lage auf der sandigen Erhöhung in der Sumpfgegend bei zwei Flüssen zu verdanken. Hier kreuzten sich die Handelswege zwischen Osten und Westen, die Siedlung mit der Festung wurde zum wichtigen strategischen Punkt, um den man häufig kämpfte, dann wurde es zum Grenzgebiet zwischen Litauen und Polen und ab der Mitte des XV. Jahrhunderts regierten hier polnische Könige. Seit dieser Zeit findet man unter den Herrschern von Brody und der Umgebung namhafte polnische Feudalfamilien: Senins`kis, Kameneckis, Zolkewskis, Koniecpolskis, den ruhmreichen König Jan Sobieski, eines der reichsten adeligen Geschlechter der Gegend - die Magnaten Potockis. Die angeführte und beachtliche Anzahl an ruhmreichen polnischen Namen in der Geschichte der Stadt hat ohne Zweifel Roths Gestalten der raffinierten, intelligenten und hedonistischen polnischen Adeligen in seinen Romanen inspiriert. Wenn man dem Lauf der Phantasie freie Bahn läßt, kann man sich noch heute beim Anblick der herrlichen Parkanlage und des Renaissanceschlosses Pidhirci aus dem XVII. Jahrhundert, der auf dem Rücken der Hügelkette Woroniaki mit einem unermeßlichem Ausblick auf die im Norden ausgebreitete wolynische Ebene in der Nähe von Brody liegt, die Lebenskunst des Grafen Chojnicki aus dem "Radetzkymarsch" vorstellen. Die frühe Neuzeit bringt einen Aufschwung in der Geschichte der Stadt: 1633 enthält sie vom polnischen König Wladyslaw dem IV. das Stapelrecht, was Brody mit den größten Handelszentren des polnischen Reiches wie Lublin, Torun` und Lwów (Lemberg) gleichstellt. Ab den dreißigen Jahren des XVII. Jahrhunderts werden in den Stadtannalen regelmäßig neben Polen und Ruthenen auch Armenier, Schweden und immer mehr Juden erwähnt. Seitdem begann ein von Zeit zu Zeit zwar gestörter, aber dennoch regelmäßiger wirtschaftlicher Aufschwung. Im Rahmen der Donaumonarchie bekam Brody zusätzliche Privilegien: am 29. August 1779 wird es zur "Freien Handelsstadt" genannt, was die Stadt dank ihrer Lage an der Grenze zwischen zwei Imperien (bis zur russischen Grenze waren es nur 4 km) zum wichtigen Zentrum des Fernhandels machte. Diesen Status besaß Brody bis 1879. [28] Viele Großbrände (allein im Laufe des XIX. Jahrhunderts gab es hier 6 größere Brände, in denen viel vernichtet wurde. So wurde z.B. 1849 - die lateinische Kirche zerstört, 1859 - etwa 950 Wohnhäuser, 1862 - bei einem Feuer ein großer Teil des jüdischen Viertels vernichtet) [29] haben zwar großen Schaden angerichtet, das echt europäische Aussehen aber nicht gestört. 1894, zum Zeitpunkt von Roths Geburt, war Brody weiterhin eine große Handelsstadt und das bedeutendste Zentrum des Judentums in Ost-Galizien. Auf der einen Seite war hier die reiche Tradition der jüdischen Orthodoxie hochentwickelt, auf der anderen wurde Brody als "eine verführte Stadt bekannt" [30] - als das Zentrum der assimilatorisch-weltlichen Haskala. Außerdem stand die Stadt dem Westen offen. Wie sah Brody aus, als Roth es mit 19 Jahre verließ? Warum ist es so tief in das Bewustsein des zukünftigen Schriftstellers eingeprägt worden? Aus dem Reiseführer durch Galizien, der im Jahr 1914 herausgegeben wurde, ist Brody als eine Stadt mit 18.000 Einwohner (85% Juden) erwähnt. Hier gab es eine Bezirkshauptmannschaft, Handels- und Gewerbekammer, das Obergymnasium, zwei Hotels mit angeschlossenen Restaurants - das "Bristol" und das "Europa", eine Konditorei "Majeranowski", und das Kaffeehaus - "Bristol". Die Stadt war von "noch immer ausgedehnten Handel und Industrie" geprägt [31]. Zu den Sehenswürdigkeiten zählten ein Rest des alten Dominikanerklosters und ein gut erhaltenes Barock-Schloß aus dem XVII.-XVIII. Jahrhundert. "Über Verfügung der Regierung wurden im Jahre 1809 die Mauern und Wälle geschleift, die Gräben zugeschüttet, Tor und Turm in die Luft gesprengt" [32]. Von den neueren Gebäuden wird als das Schönste das Sokol-Haus angeführt. Aber der Kreis von Brody schien schon damals Roth zu eng gewesen zu sein. Früh bekam er Sehnsucht nach "der weiten Welt", nach dem Ruhm. Ein Jahr vor dem Verlassen seiner Heimatstadt schrieb er im Brief an den Onkel Norbert Grübel: "In Brody ist alles eintönig und langweilig... - Ich habe auch Talent zum Schreiben;.. Ich erinnere mich so oft an alte Zeiten, da Du noch zu Hause warst, und dann sehe ich Dich wieder in den Zug steigen und davonfahren, weit hinaus, in die Welt... Ich habe Dich damals beneidet!" [33] Er fühlte sich in Brody einsam. Außer dem von ihm verehrten Professor für Deutsch, den Literaturhistoriker Max Landau, der Roth dazu anregte, sich der Literatur zuzuwenden, hatte er in der Heimatstadt keinen einzigen innigen Freund. Doch gerade diese Einsamkeit hat ihn denken und fühlen gelehrt, hat in ihm die Seele des Künstlers entstehen lassen. Die menschlichen Charakterzüge, die Art der Beobachtung, der Gang der Gedanken wurden bei Roth durch sein Schicksal geformt, das eng mit Brody verbunden ist. Und wiederum findet man die Resonanz-Parallele bei Bruno Schulz: die in Zeit und Raum ähnliche Herkunft, die gleiche Umgebung der galizischen Kleinstadt, für die die "tiefe Einsamkeit und Absonderung von den Dingen des alltäglichen Lebens" [34] schon in der Kindheit und Jugendzeit dominant waren, haben dazu geführt, daß die beiden einen Ausweg in der imaginären Welt der Literatur, im aktiven Schaffen fanden. "Die Einsamkeit ist jener Faktor, der zur Gärung der Wirklichkeit und zur Leerung ihres Schauplatzes von Figuren und Farben führt." [35] - schrieb später Bruno Schulz.

Roth wollte seiner Geburtsstadt entfliehen, er bemühte sich, seine ostgalizische Herkunft zu verheimlichen. Unter der Geringschätzung Galiziens in Mittel- und Westeuropa hat er immer gelitten, es zog ihn aber dennoch immer wieder in die vertraute Umgebung. Zwischen seiner Kindheit und dem Galizienbesuch 1924 lagen mehrere Frontlinien mit verwüstenden Massakern: der erste Weltkrieg, der ukrainisch-polnische Krieg und der Bürgerkrieg in Rußland. Für den Soldaten der Roten Reiterarmee Isaak Babel war Brody 1920 bereits eine "leblose und gezackte Vision", der Ort, wo "die Mumien seiner zerdrückten Leidenschaften das unüberwindliche Gift ausatmen" [36]. Noch schonungsloser wirkten sich für Brody die Jahre 1941-1944 aus, als in der Stadt 1711 Häuser vernichtet wurden, darunter der zentrale Teil mit den Handelsreihen und den meisten Gebäuden aus dem XVIII.-XIX. Jahrhundert [37] Die beiden Weltkriege, der von den National-Sozialisten betriebene Holocaust und durch die Gewalt angestoßene Völkerwanderung haben das dichte Zusammenstoßen der verschiedenen Kulturen zerstört. Von 20 000 Menschen sind nur 700 geblieben, darunter wurden 1942-43 18 000 Juden ermordet [38]. Die ganze eigentümliche Welt ist untergegangen. Es gibt aber Dinge, die bleiben. Die Landschaft der Umgebung und das Stadtbild sind zu den Motiven der Literatur geworden. 1927 schrieb Roth: "So war`s, als der Kaiser Franz Joseph regierte, und so ist es heute. Es sind andere Uniformen, andere Adler, andere Abzeichen. Aber die wesentlichen Dinge ändern sich nicht. Zu den wesentlichen Dingen gehören: die Luft, die menschliche Seele und Gott mit allen Heiligen, die seine Himmel bewohnen und deren Abbildungen an den Wegen stehen" (II., S. 282).

Von dem, was Roth beschreibt, ist viel verschwunden, aber wenn man die alten Photos von Brody und der Umgebung mit den heutigen Bildern vergleicht, kann man noch viel von der Dimension dieser Landschaft erkennen. Sie besitzt die Atmosphäre, die die Lektüre seiner Werke vermittelt. Dazu gehören die einsamen Pferdefuhrwerke am Stadtrand (man denkt an Sameschkins Fuhre aus "Hiob"), die flache Ebene mit den Hügeln in der Ferne, in der die Stadt liegt, der Ring aus Sümpfen und Föhrenwäldern um Brody. Wenn man als Kenner der Romane Roths nach Galizien kommt, so gehen einem immer wieder Passagen aus seinen Texten durch den Kopf, wie dieses Beispiel aus "Erdbeeren": "Die Stadt, in der ich geboren wurde, lag im Osten Europa, in einer großen Ebene, die spärlich bewohnt war. Nach Osten hin war sie endlos. Im Westen wurde sie von einer blauen, nur an klaren Sommertagen sichtbaren Hügelkette begrenzt". (IV., S.1008). Es scheint, man erinnert sich an alle diese Bilder, - vorausgesetzt, man wid darauf hingewiesen, an was man sich erinnert fühlen soll. Gerade diese Voraussetzung schaffen die Schilderungen des Schriftstellers. Man beginnt die Orte zu suchen, wo die Geschichten gespielt haben:

"Die Kaserne lag hinter dem Stadtpark. Links neben der Kaserne war das Bezirksgericht, ihr gegenüber die Bezirkshauptmannschaft, hinter deren festlichem und baufälligem Gemäuer lagen zwei Kirchen, eine römische, eine griechische, und rechts ab von der Kaserne erhob sich das Gymnasium. Die Stadt war so winzig, daß man sie in zwanzig Minuten durchmessen konnte. Ihre wichtigen Gebäude drängten sich aneinander in lästiger Nachbarschaft. Wie Gefangene in einem Kerkerhof kreisten die Spaziergänger am Abend um das regelmäßige Rund des Parkes. Eine gute halbe Stunde Marsch brauchte man bis zum Bahnhof."(V., S.259)

In diesem Bild ist das alte Zentrum von Brody leicht zu erkennen. Obwohl einige Gebäude nicht mehr zu finden sind (wie die schon Anfang der 1990-er Jahre abgerissene Kasernen), ist das Gesamtbild und die Silhouette der Stadt mit dem dominierenden roten spitzigen Dach des um Jahrhundertwende errichteten Bezirksgerichts, dem noblen Haus der Handelskammer und dem altehrwürdigen Gymnasium unverändert geblieben. Weiter schweift der Blick zum Hotel "Bristol" (1909), das bei Roth im "Radetzkymarsch" als Lieblingsort des müßigen Zeitvertreibs der österreichischen Offiziere geschildert wurde. Alle diese Motive des Stadtbildes sind mit den Augen des Protagonisten des Romans gesehen:

"Das ganze Städtchen übersah Carl Joseph vom zweiten Stock des Hotels Brodnitzer. Er sah den Giebel des Bezirksgerichts, das weiße Türmchen der Bezirkshauptmannschaft, die schwarzgelbe Fahne über der Kaserne, das doppelte Kreuz der griechischen Kirche, den Wetterhahn über dem Magistrat und alle dunkelgrauen Schindeldächer der kleinen Parterrehäuser." (V., S.260).

Der Ton des Schilderns seiner Heimatstadt bleibt bei Roth immer vertraut, seine Bilder sind immer suggestiv. Das ist eine Erinnerung an die Vergangenheit, die ihm sehr nah bleibt. Die Erklärung dafür gibt W. Benjamins Reflexion über den Unterschied zwischen den Städtebildern Fremder und Einheimischer: "Der oderflächliche Anlaß, das Exotische, Pittoreske wirkt nur auf Fremde. Als Einheimischer zum Bild einer Stadt zu kommen, erfordert andere, tiefere Motive. Motive dessen, der ins Vergangene statt ins Ferne reist. Immer wird das Stadtbuch des Einheimischen Verwandschaft mit Memoiren haben, der Schreiber hat nicht umsonst seine Kindheit an Ort verlebt." [39] Die von Roth geschaffene Bilder einer galizischen Kleinstadt, die sein ganzes Schaffen begleiten, zeugen von der Bedeutung des Erlebnisses für diesen Schriftsteller. Er bemühte sich ihr zu enzfliehen, aber eine geheime Gewalt der Erinnerung hat ihn in ihren Bann genommen. In seinen Beschreibungen kehrte er immer zu ihr zurück.

1913 verlies Roth Brody, um sich an der Lemberger Universität zu immatrikulieren. In Ostgalizien gab es damals "nur eine größere Stadt - Lemberg" (II., S. 286). Es war ihm schon seit der Ferienzeit, die er in der Familie seines Onkels und Vormunds Sigmund Grübel verbrachte, vertraut geworden. Obwohl Roth in der Kronlandmetropole - "klein Wien" - nicht lange blieb und sich bald in der echten Hauptstadt der Donaumonarchie niederließ, blieb Lemberg doch seine "erste Hauptstadt". Hier wohnten die engstenVertrauten seiner ersten literarischen Versuche - die Cousinen Resia und Paula, zu denen er sein ganzes Leben lang den Kontakt nicht verlor, so wie auch die Frau vom hohen Esprit Helene von Szajnocha-Schenk, die für den jungen Dichter die Rolle der "geistigen Mutter" einnahm. Roth kehrte immer wieder nach Lemberg zurück: als österreichischer Soldat im Frühjahr 1917 (laut D. Bronsen), im Herbst 1918, dann während seiner Galizien-Reise 1924 als Reporteur und während einer Vortragsreise 1937 am Vorabend der Katastrophe des 2. Weltkrieges. Lemberg ist in sein Schaffen nicht so tief wie seine Heimatstadt Brody eingegangen, es war aber eine wichtige Etappe auf seinem Weg der Erkenntnis. Diese Stadt stellte um die Jahrhundertwende eine reiche und mannigfaltige Kulturlandschaft dar. Das war eine europäische Handelsmetropole im Grenzland von Osten und Westen, die ihre Existenz von Verknüpfung der beiden Traditionen verdankte. Gerade hier lernte Roth "scheinbar mühelos osteuropäische Vorbilder mit westlichen " [40] zu verbinden. Lemberg, das er gut kannte, war für Roth schon immer "habsburgisch geprägt" [41], nicht nur im historisch-architektonischen Sinne, sondern auch dem Charakter nach, der durch die spezifischen "Sitten, Menschen und Dimensionen" (I., S. 636) geprägt war. Es wurde für ihn zum Muster des Universalstaates, einer Idee, die er immer mit der untergegangenen Habsburger Monarchie verband. Das ist besonders in seinem Bericht "Lemberg, die Stadt", der während seiner Galizienreise 1924 entstanden war, zu sehen, wo er die Hauptstadt von Galizien als eine Stadt der verwischten Grenzen (II., S. 289), als einen bunten Fleck im Osten Europas (II, S.287) betrachtet. Die Vielfältigkeit und die "kosmopolitischen Neigungen"(II., S. 288) von Lemberg bilden bei Roth eine kennzeichnende Formel für die Charakteristik anderer Städte. Bezeichnend ist der Titel einer Reportage aus der "Neuen Berliner Zeitung" vom 17.12. 1923: "Lemberg in Düsseldorf"(I., S. 1084), wo der Dichter eine Verbindung zwischen dem Tumult in der Stadt, den die Händler aller Rassen und Konfessionen verursachten, und der Etappe der Ostfront herstellt.

Schon an diesen Texten sieht man, wie wohlbekannt der Raum der Stadt für Roth war - die Hauptstraße vom Theather bis zum Mickiewiczdenkmal, die großen, alten Kirchen, Synagogen, Plätze, Häuser, Literaten-Café... Wenn man diese Beschreibung mit Brody-Bildern vergleicht, ergibt sich, daß hier nicht nur die Jugenderinnerungen und Imaginationen mitspielen, sondern ein scharfes Auge des Journalisten und Literaten, der von der heiteren, großzügigen Athmosphäre von Lemberg begeistert ist.

Diese Athmospäre gehört der Vergangenheit an. 1937 hat Roth die Katastrophe vorgeahnt, 1939 hat er nicht erlebt. Brody, Lemberg, Galizien sind für ihn für immer so geblieben, wie er sie vor seinen Augen hatte - in Bildern der literarischen Landschaft. Er hat sie durch sein ganzes Schaffen mitgetragen, mit Nostalgie, mit Verzweiflung, mit ewiger Suche nach dem Verlorenen. Sie sind in sein Sensorium als Erinnerung und Imagination eingeprägt worden. "Siehst du, wie schön das Land ist?"- mit dieser kurzen Bestätigungsfrage des einfachen wolynischen Bauerns aus "Hiob" (V., S.58) sind die innigsten Gefühle des Schriftstellers und des Menschen direkt und unbefangen ausgedrückt.


[1] Alle Zitate aus den Werken Roths zitiere ich im folgenden nach der sechsbändigen Ausgabe: Joseph Roth. Werke. Hg. Von F. Hackert und K. Westermann. Bd. 1-6. Köln 1989-91, gemacht.

[2] David Bronsen. Joseph Roth. Eine Biographie. Gekürzte Fassung. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1993, S. 64.

[3] Alfred Polgar. Joseph Roth (1939). Zitiert nach: Joseph Roth. 1894-1939. Katalog einer Ausstellung, gemeinsam veranstaltet vom Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten und von der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur in Wien, zusammengestellt von Heinz Lunzer und Victoria Lunzer-Talos: Zirkular. Sondernummer 17, Februar 1989, S. 60.

[4] Dmytro Zatonskij. Joseph Roth, oder das Problem der literarischen Heimat. Kyiv, 1994, S. 83.

[5] W. Müller-Funk. Joseph Roth. München, Beck, 1989, S. 27.

[6] Übersetzung ins Deutsche von der Verfasserin nach dem Original: Vladimir Nabokov. M.1990, S. 174.

[7] W. Müller-Funk, W. Op. cit., S. 36.

[8] W. Müller-Funk, W. Op. cit., S. 22.

[9] Joseph Roth. Briefe. Hg. von Hermann Kesten, Köln, 1970. S. 164 f.

[10] Helmut Nürnberger. Joseph Roth. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 1981, S. 8.

[11] Zitiert nach: Bienert, Michael. Die eingebildete Metropole: Berlin im Feuilleton der Weimarer Republik. Stuttgart: Metzler, 1992, S. 1.

[12] Mark Zborowski, Elisabeth Herzog. Das Schtetl. Die untergegangene Welt der osteuropäischen Juden. Verlag C. H. Beck München, 1991, S. 28.

[13] Joachim Ritter. Landschaft. Zur Funktion des ästhetischen in der modernen Gesellschaft. Verlag Aschendorff - Münster Westf. 1963, S. 18.

[14] F.W.J. Schelling: Philosophie der Kunst (1966) 138. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hrg. Von Joachim Ritter und Karlfried Gründer. Wissenschaftliche Buchgesellscheft, Darmstadt. 1980 by Schwabe & Co. AG. Basel, Bnd. 5, S.17.

[15] Zitiert nach: Karl-Markus Gaus, Martin Pollak.Op. cit., S.12.

[16] Walter Benjamin. Das Kunstwerk im Zeitalter technischen Reproduzierbarkeit (1963) 18. Zitiert nach: Historisches Wörterbuch der Philosophie... S. 25.

[17] Ebenda.

[18] Joseph Roth. Briefe 1911-1930. Hg. von Hermann Kesten. Köln, 1970, S.425.

[19] Zitiert nach: David Bronsen. Op. cit. S., 19.

[20] Übersetzung aus dem Polnischen von der Verfasserin nach dem Original: Bruno Schulz. Opowiadania wybor esejow i listow. Opracowal Jerzy Jarzebski. Zaklad narodowy im. Ossolinskich. Wyd. Wroclaw 1989, S. 230-231.

[21] Näheres in: Michel Bienert. Die eingebildete Metropole. Berlin im Feuilleton der Weimarer Republik. Stuttgart: Metzler, 1992, S. 56.

[22] Michael Bienert. Op. Cit. S. 58.

[23] Müller-Funk, W. Op. Cit. , S. 62.

[24] In: Michael Bienert. Op. cit. S. 57.

[25] In: David Bronsen. Joseph Roth. Eine Biographie. Köln 1974, S. 374.

[26] W. Hellpach. Geopsyche (1965) 168. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hrg. Von J. Ritter und K. Gründer. S. 13.

[27] W. P. Neroznak. Die Namen der alstrussischen Städte. M, 1983, S. 27-28.

[28] Die wichtigsten Daten aus der Geschichte von Brody. 1986, S. 54. D. Cobit. Brody. In: Gedenkstätten der Ukraine.

[29] Aus der Dokumentation des Ukrainischen wissenschaftlichen Restaurierungsinstitutes in Lemberg. Inventur der historischen Gebäuden der Stadt Brody. L`viv 1982.

[30] Akten Kult. Min. IV T5 ad Sept. 1816. Zit. Nach: Joseph Roth 1894-1939. Katalog der Ausstellung des Jüdischen Museums der Stadt Wien. 7. Oktober 1994-12. Februar 1995. Zirkular, Sondernummer 42, Oktober 1994.

[31] Illustrierter Führer durch Galizien von M. Orlowicz und R. Kordys. A. Hartleben`s Verlag, 1914, S. 301.

[32] Ebenda.

[33] Zit. Nach: Joseph Roth 1894-1939. Katalog der Ausstellung ...Op. cit, (Anm. 30), S.41.

[34] Bruno Schulz. Die Wirklichkeit ist Schatten des Wortes. Aufsätze und Briefe. Hrsg. Jerzy Ficowski. Carl Hanser Verlag, München - Wien, S. 93.

[35] Ebenda.

[36] Übersetzung aus dem russischen Original von der Verfasserin.

[37] Aus der Dokumentation ... Anm. 29.

[38] Die Statistik des Bezirksrates der Volksdeputierten von Brody, 1993.

[39] Walter Benjamin. Die Wiederkehr des Flaneurs. Zit nach: Walter Benjamin. Städtebilder. Fotografiert von Anna Blau. Nachwort von Peter Szondi. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1992, S. 109.

[40] Marcel Reich-Ranicki. "Das liebliche Geklingel einer Narrenschelle". 1970. Zit. nach: Helmut Nürnberger. Op. Cit., S.134.

[41] Maria Klanska. Lemberg. Die "Stadt der verwischten Grenzen". In: Lemberg/L`viv. 1772-1918. Wiederbegegnung mit einer Landeshauptstadt der Donaumonarchie. Red.: Hans Bisanz. Wien: Historisches Museum der Stadt Wien, Katalog der 179. Sonderausstellung, 1993, S. 15.